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Historisches

Die Freiwillige Feuerwehr Müllendorf

Das Feuer kann Segen und Fluch sein. Die Bauweise und Baumaterialien der früheren Jahrhunderte ließen Feuer rasch außer Kontrolle geraten. Offene Feuerstellen, strohgedeckte Dächer, kaum gereinigte Rauchfänge und dichte Bebauung sorgten immer wieder für Brände.

Gegen diese zerstörerischen Brände wehrten sich die Menschen, seit sie das Feuer kannten. Feuerhaken, Beil, Eimer und Löschketten waren die ersten Mittel der Brandbekämpfung. Alarmiert wurden die Einwohner, wenn die Kirchenglocken Sturm läuteten oder in der Nacht der Ruf des Nachtwächters „Feuerio!“ ertönte. Männer und Frauen griffen zusammen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Deutsch-Westungarn ein Gesetz erlassen, das die Gründung von Feuerwehren vorschrieb.

Laut Überlieferungen wurde die Feuerwehr Müllendorf im Jahr 1889 – so wie in vielen Gemeinden des heutigen Burgenlands und Westungarns - als Freiwilliger Feuerwehrverein gegründet. Vereinsname: Szarazvami önkenytes tüzöltö egylet  (Müllendorfer freiwilliger Feuerwehr-Verein).

Im Jahr 2019 tauchten im ungarischen Staatsarchiv in Budapest Gründungsurkunden vieler burgenländischer Feuerwehren auf – darunter auch die der Feuerwehr Müllendorf (verfasst in ungarischer Sprache). Diese wurden übersetzt und am 3. Mai 2019 an die Feuerwehren übergeben.

Der Paragraph 3 der darin angeführten „Statuten für die freiwillige Feuerwehr zu Müllendorf“ lautet: Siegel des Vereines: Feuerwehr Anstecknadel. Mit der Rundschrift: „Freiwilliger Feuerwehrverein Müllendorf 1869“. Diese neue Erkenntnis lässt vermuten, dass die Feuerwehr bereits 20 Jahre früher bestanden hat.

 

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Übernahme der Gründungsurkunde am 03.05.2019 durch

Ortsfeuerwehrkommandant HBI Ing. Nikolaus Mitrovitz und Vizebürgermeister Norbert Rauhofer in Harka, Ungarn.

 

 

Gründungsmitglieder der Feuerwehr Müllendorf waren:

Beredits Matthias

Harter Josef

Kogelbauer Georg

Samwald Matthias

Tschögl Johann

Tinhof Johann

 

Nach der Gründung entfaltete die Freiwillige Feuerwehr eine rege Tätigkeit und half der Bevölkerung nicht nur bei Feuer, sondern auch bei Hochwasser, Sturm und Unwetter.

Da leider keine Unterlagen von der Gründungszeit sowie der Zeit, in der Burgenland noch zu Ungarn gehörte, existieren, kann erst ab dem Jahr 1924 Genaueres berichtet werden.

In den 1920er Jahren war Martin Pendl lange Jahre hindurch Präses. Die Feuerwehr Müllendorf musste sich von Anbeginn das Inventar durch Spenden finanzieren. Später wurden die Gemeinden verpflichtet, die Feuerwehren mit finanziellen Mitteln auszustatten und das Land stellte Subventionen zur Verfügung. Dieses System blieb bis heute – wenn auch in etwas abgewandelter Form – erhalten.

 

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Löscharbeiten in der Gartengasse am 10.01.1998

 

 

Mannschaft

Jahrzehntelang waren vor allem die Bauern die tragende Säule der Feuerwehrmannschaft, da sie immer zu Hause waren. Dies änderte sich mit der Zeit, da immer weniger Männer im Dorf arbeiteten, sodass es immer schwieriger wurde, während des Tages genügend Männer für einen Einsatz zu haben. 1994 wurde mit dem neuen Feuerwehrgesetz die Möglichkeit geschaffen, dass auch Frauen der Feuerwehr beitreten durften. Was Anfangs mit großer Skepsis betrachtet wurde, ist heute nicht mehr wegzudenken. Inzwischen sind Frauen auch in Führungspositionen keine Seltenheit.

In Müllendorf trat die erste Frau im Jahr 2005 der Feuerwehr bei.

1989 wurde die erste Feuerwehrjugendgruppe in Müllendorf gegründet. Ziel einer Feuerwehrjugend ist die spielerische Vorbereitung der Jugendlichen auf den Aktivdienst in der Feuerwehr. Konnte man anfangs erst mit 12 Jahren der Feuerwehrjugend beitreten, so ist es heute bereits im zehnten Lebensjahr möglich. Mit Vollendung des 16. Lebensjahres werden die Jugendlichen in den Aktivstand übernommen und dürfen auch bei Einsätzen mitfahren. Heute wird die Feuerwehrjugend Müllendorf von unserer ersten Feuerwehrfrau erfolgreich geleitet.

 

Kommandanten  (genaue Zahlen und Daten liegen erst seit dem Jahr 1920 vor)

Beredits Matthias

Kogelbauer Georg

Tschögl Johann

1920 – 1921 Fromwald Thomas

1921 – 1924 Ackerl Josef

1924 – 1930 Ott Ernst

1930 – 1945 Mallich Josef

1945 – 1948 Ankerl Ambros

1948 – 1961 Schriefl Michael

1961 – 1963 Selinger August

1963 – 1969 Schriefl Michael

1969 – 1970 Krauscher Josef

1970 – 1973 Schriefl Michael

1973 – 1980 Karrer Johann

1980 – 1988 Pfluger Johann

1988 – 1996 Tinhof Karl

1997             Sailer Rudolf

1997 – 2005 Tinhof Karl

2006 – 2007 Gruber Andreas

2007 – 2017 Berghofer Peter

Seit 2017      Mitrovitz Nikolaus

 

Ausrüstung der Feuerwehr

Die erste Feuerspritze in Müllendorf bestand aus einer Holztruhe mit einem Kolben und musste zum Brandort getragen werden. In die Truhe wurde Wasser hineingeschüttet, welches mit dem Kolben, der mit der Hand bewegt wurde, in einen Hanfschlauch gepresst wurde. Dass der Druck, der vorne am Strahlrohr herauskam, nicht besonders groß war, kann man sich vorstellen.

1910 wurde die erste von Pferden gezogene Spritze angekauft. Sie besaß eine Pumpe mit zwei Zylindern, welche von 4 Männern über ein Hebelwerk bedient wurde. Durch eine Ansaugvorrichtung konnte Wasser direkt aus einem Teich oder Bach angesaugt werden und musste nicht mit der Hand in einen Behälter geschüttet werden. Die zwei Zylinder der Pumpe erzeugten einen hohen Druck, sodass das Wasser auch über größere Distanzen gespritzt werden konnte.

Gleichzeitig konnten auf dieser Spritze einige Männer mitfahren, diese mussten aber stehen. Lediglich der Kutscher und sein Beifahrer hatten einen Sitzplatz. Schläuche und Armaturen konnten auf der Spritze ebenfalls mitgeführt werden. Durch diese moderne Spritze waren die Feuerwehrmänner wesentlich rascher am Brandort. Es musste jeweils ein Bauer seine Pferde zur Verfügung stellen, damit diese Spritze einsatzbereit war.

 

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Die weitere Entwicklung der Ausrüstung:

1910   Ankauf der ersten Handdruckspritze

1931   Ankauf des ersten Mannschaftswagens – er war zugleich Rettungsfahrzeug – und der ersten Motorspritze

1934   Erste Tragkraftspritze RW 80 mit Anhänger

1947   Ankauf zweier Bedford als Mannschaftsfahrzeug

1960   Ankauf des DKW-Mannschaftswagens und eines Pumpenanhängers

1963   Ankauf der Gugg-Tragkraftspritze mit VW-Motor

1969   Ankauf einer Schlammpumpe für den Betrieb mittels Zapfwelle eines Traktors

            Ankauf einer fahrbaren Schiebeleiter mit 8 m Höhe

1977   Ankauf des ersten Kleinlöschfahrzeugs (KLF). Hier konnte die Tragkraftspritze im Fahrzeuginneren befördert werden

1982   Ankauf von 3 Atemschutzgeräten

1986   1 Mobil- und 2 Handfunkgeräte

1988   Ausstattung der Mannschaft mit moderner Schutzausrüstung (Sicherheitsstiefeln, moderne Overalls, Reservemasken für den Atemschutz)

1990   Ankauf einer FOX-Tragkraftspritze mit BMW-Motor

1995   Ankauf VW-Bus gebraucht

1998   Ankauf eines Tanklöschfahrzeugs mit Allradantrieb und 2.000l Wasserinhalt (TLFA 2000), Fabrikat Rosenbauer AT

2003   Ankauf eines hydraulischen Rettungssatzes Holmatro (Schere, Spreitzer und Rettungszylinder)

2007   Mannschaftstransportfahrzeug Mercedes Vito

2008   Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung (LFB), Fabrikat Rosenbauer Compact-Line

2011  Umbau TLFA 2000 – Modernisierung der Löschtechnik

 

Feuerwehrhaus

Das erste Feuerwehrhaus wurde bereits 1891 am Standort Hauptstraße 14 gebaut und 1934 umgebaut, erweitert und mit einem hölzernen Schlauchturm versehen.

Feuerwehr 1938

Inspizierung 1938

 

In diesem Feuerwehrhaus hat es 3 Lampen gegeben: eine Neonröhre in der Garage, die gleichzeitig als Garderobe diente, eine Lampe am Schlauchturm und eine Lampe zur Beleuchtung des Vorplatzes. Wasser und Kanal gab es nicht, daher auch keine sanitären Anlagen. Ebenso hat es keine Heizung gegeben.

Im Jahr 1988 wurde Karl Tinhof zum Kommandanten gewählt. Hinter ihm standen junge, motivierte Feuerwehrmänner, mit denen eine neue Feuerwehrära eingeleitet wurde. Schon bei der Wahl des neuen Kommandanten wurde auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Josef Harter über ein neues Feuerwehrhaus diskutiert, stand doch für das Jahr 1989 das 100-Jahr Jubiläum vor der Türe.

 

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Feuerwehrhaus 1995

 

Natürlich ist sich ein Feuerwehrhaus als Geburtstagsgeschenk nicht ausgegangen, aber die Planungsarbeiten liefen auf Hochtouren. Ein passendes Grundstück musste gefunden und die Finanzierung erarbeitet werden.

1992 war es soweit, das alte Haus in der Hauptstraße 50 wurde im April abgerissen. Im September wurde durch die Fa. Lang das Haus der ehemaligen Raiffeisenkasse mit einer Stützmauer unter den Fundamenten versehen, bis Weihnachten wurde der Keller errichtet.

In den folgenden Jahren wurde das Feuerwehrhaus in Eigenregie und unter großer Mithilfe der Bevölkerung errichtet.

Lediglich der Dachstuhl wurde durch einen Zimmerer aufgeschlagen, die Dachdecker- und Spenglerarbeiten, der Estrich und der Innenputz wurden durch Firmen erledigt, alle anderen Arbeiten wurden in insgesamt 6.676 Stunden durch Feuerwehrmänner und Helfer aus der Bevölkerung erbaut.

Am 9. Juni 1996 konnte das Feuerwehrhaus durch Pfarrer Hahnekamp gesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Tage davor waren noch hektisch – so wie bei jedem Umzug. Erst am 6. Juni übersiedelten wir mit den Fahrzeugen und der Ausrüstung, die Sirene wurde am Turm montiert und das Haus für die Eröffnung auf Hochglanz gebracht.

Ausgestattet mit einer eigenen Garderobe, sanitären Anlagen für Damen und Herren, einem Kommandoraum, einem Jugendraum und einem großen Sitzungssaal entsprach das neue Gebäude somit modernsten Anforderungen.

 

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Das Feuerwehrhaus 2018

 

Brände, Einsätze

Nachdem Müllendorf an die Eisenbahnlinie angeschlossen wurde, kam es bis Ende der 1970er-Jahre immer wieder zu Flurbränden durch Funkenflug der Dampfloks. Mit dem Einsatz von Dieselloks haben diese Einsätze ein Ende genommen.

Die Einsatzanforderungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte gravierend geändert - Die ureigenste Aufgabe der Feuerwehr ist es, Brände zu löschen. Heute ist die Brandbekämpfung nur mehr zu einem Viertel der Grund für einen Einsatz.

Verkehrsunfälle, Einsätze mit gefährlichen Chemikalien sowie Einsätze nach Katastrophen, die in den vergangenen Jahren immer häufiger geworden sind, müssen von der Feuerwehr heutzutage effektiv bekämpft werden.  Dies wirkte sich auch auf die benötigte Ausrüstung aus.

 

Besondere Einsätze

1915   Einsatz beim größten Brand in der Gemeinde, der mehr als 115 Häuser vernichtete

1965   Großeinsatz beim Hochwasser in Leithaprodersdorf

1973   Im Frühsommer war die Maul- und Klauenseuche eine große Gefahr für unsere Rinder. Die Feuerwehr legte an den Ortseinfahrten Seuchenteppiche, die in weiterer Folge regelmäßig feucht gehalten werden mussten.

1989   Kurz vor Weihnachten hat in Rumänien ein großer politischer Umbruch stattgefunden. Für die notleidende Bevölkerung wurden österreichweit Hilfsgüter, wie Nahrung und Bekleidung gesammelt. Auch die Feuerwehr Müllendorf beteiligte sich an dieser Aktion. Vom 25. bis 28. Dezember wurden im Feuerwehrhaus bei eisigen Temperaturen die Hilfsgüter gesammelt. Dies war die größte humanitäre Hilfeleistung der Müllendorfer Bevölkerung seit Ende des 2. Weltkrieges.

2002   Im August war die Feuerwehr Müllendorf gemeinsam mit 15 anderen Feuerwehren des Bezirkes erstmals in der mehr als 110-jährigen Geschichte, im Rahmen des Katastrophenhilfsdienstes (KHD) in einem Nachbarbundesland eingesetzt. Hochwasserschäden im Kamptal erforderten zwei Mal unsere Hilfeleistung.

2006   Im Feber mussten wir wieder im Rahmen des KHD ausrücken. In der Mariazeller Gegend erforderten massive Schneefälle unsere Hilfe.


2009   Im Juni haben massive Regenfälle für den Überlauf des Dürrengraben-Bachs gesorgt. Nur mit großer Mühe konnte verhindert werden, dass der damalige Kindergarten und die Volksschule geflutet wurden. Leider wurden Privathäuser vom Wasser nicht verschont.

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2011   Der Juni  bescherte uns mit einem Tornado ein besonderes Wetterphänomen. In der Sportplatzgasse wurden Dächer abgedeckt, ganze Dachstühle gehoben und Bäume entwurzelt.

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2014   Eine Serie von Brandstiftungen beschäftigte uns über die Weihnachtsfeiertage. Am 1. Jänner 2015 konnte der Brandstifter gefasst werden.

 

Gesellschaftliche Aktivitäten

Schon seit jeher wurde ein Feuerwehrball organisiert. 1991 begann aber eine neue Ära. Mit Besucherzahlen von bis zu 500 Personen zählt der Müllendorfer Feuerwehrball zu den bestbesuchten im ganzen Land.

 

Im Juni findet das traditionelle Feuerwehrfest statt, das zahlreiche Müllendorferinnen und Müllendorfer anzieht.

Die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession sowie der Kirchgang zum Tag der Feuerwehr zeigt die Verbundenheit mit der Kirche.

Auch bei der Glockenweihe nach dem 2. Weltkrieg war die Feuerwehr dabei, ebenso wie bei Begräbnissen verdienter Müllendorfer Persönlichkeiten.

 

Quellen:

Josef Berghofer: MÜLLENDORF Geschichte – Wirtschaft – Volkskunde (1980)

Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Müllendorf

Mündliche Überlieferungen

  

Verfasser:

ABI Ing. Karl Tinhof

OBI David Ernst

2019